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20 Jahre Neubau der Bereichsbibliothek am Neuen Palais

  • Eine schwarz-weiß-Aufnahme des Ortes, an dem heute der Altbau von Haus 10 steht, um 1950. Der Eingang zum Innenhof, über den viele Menschen heute die Bibliothek erreichen, existierte noch nicht.
    Foto: Universität Potsdam
    Heute steht hier der Altbau des Haus 10 (Bild um 1950).
  • Um 1950 helfen Studierende der Pädagogischen Hochschule draußen beim Aufräumen.
    Foto: Universität Potsdam
    Um 1950 helfen Studierende der Pädagogischen Hochschule draußen beim Aufräumen.
  • Der Innenhof zwischen Haus 9 und Haus 10 im Juli 1994.
    Foto: Universität Potsdam
    Der Innenhof zwischen Haus 9 und Haus 10 im Juli 1994.
  • Der Neubau von Haus 10, Haupthaus der Bibliothek am Neuen Palais.
    Foto: Universität Potsdam
    Der Neubau von Haus 10, Haupthaus der Bibliothek am Neuen Palais.

Am 1. September 2006 wurde der Neubau der Bereichsbibliothek am Neuen Palais, Haus 10, eröffnet. 

20 Jahre sind eine lange Zeit – und doch relativ kurz im Vergleich zu den 257 Jahren, die das Schloss und seine Wirtschaftsgebäude, auch als Communs bezeichnet, dort schon stehen. Die Planungen für das Neue Palais begannen bereits um 1755. Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges nahm das Bauvorhaben unter Friedrich II. ab 1763 konkrete Gestalt an. In dieser Zeit wurden auch die Wirtschaftsgebäude geplant. Dazu gehören Haus 9, der Altbau von Haus 10 und Haus 11. Sie beherbergten unter anderem Küchen, Silberkammern, Wirtschaftsräume, Stallungen, Wagenremisen und Unterkünfte für das Hofgefolge und die Dienerschaft. Im heutigen Haus 9 wurden Einrichtungsgegenstände des Königs gelagert. In der Beletage hatten die königlichen Kavaliere und Hofstaatssekretäre ihre Zimmer. Das nördliche Communs, heute bekannt als Haus 11 mit der geschichtswissenschaftlichen Bibliothek, beheimatete das Gefolge und die Bediensteten der Gäste des Königs, da diese im Schlossflügel gegenüber wohnten.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte änderten sich die Nutzung und Bedeutung der Gebäude mehrfach. Haus 11 diente ab 1820 beispielsweise als Kaserne. Zu Pfingsten fand dort bis 1914 das sogenannte Schrippenfest des Preußischen Lehr- und Infanteriebataillons statt. Majestät Kaiser Wilhelm II. spazierte dabei die Reihen entlang, plauderte mit den Soldaten und biss hin und wieder von seinem Brötchen ab. 

1933 wurde Haus 9 für die Führerschule des Reichsarbeitsdienstes umgebaut. Die Bombennacht vom 15. April 1945 verursachte erhebliche Schäden, vor allem an Haus 9.

Ausführlich gebaut wurde erst wieder ab 1949, denn 1948 hatte man den Ausbau der Brandenburgischen Landeshochschule beschlossen. Damit zog ein völlig neues Nutzungskonzept in die ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Neuen Palais ein. Im Gründungsjahr 1948 gab es bereits ein Wohnheim für die Studierenden, im heutigen Altbau von Haus 10. Studierende und Lehrkräfte beteiligten sich an den Aufräumarbeiten und am Wiederaufbau. Auch die Literaturbeschaffung war zunächst eine Herausforderung: Bücher wurden unter tatkräftiger Mithilfe von Studierenden mit dem Lkw über Land organisiert. Bis zum Wintersemester 1951/52 waren auf diese Weise bereits 180.000 Bände zusammengekommen.

Mit der Gründung der Universität Potsdam 1991 wuchs der Bedarf an geeigneten Bibliotheksräumen. Verschiedene Neubauideen, darunter ein „Bücherbahnhof“ am Bahnhof Park Sanssouci und eine „Bibliothek unter der Erde“ in der Kaiser-Friedrich-Straße, wurden nicht umgesetzt. Stattdessen entstand ab 2003 im Innenhof neben Haus 9 ein Interimsbau. Nach drei Jahren Bauzeit und mit Kosten von 4,3 Millionen Euro öffnete am 1. September 2006 die „Bereichsbibliothek für die Geisteswissenschaftler“, das heutige Haus 10. Beim Umzug wurden 6.622 laufende Regalmeter bewegt, davon 5.740 Meter in den Neubau.

Seither entwickelt sich die Bereichsbibliothek am Neuen Palais weiter. Bestände kamen hinzu und verließen den Standort wieder, genau wie technische Geräte, Studierende und Mitarbeitende verschiedenster Generationen. Das Jubiläum erinnert damit nicht nur an 20 Jahre Neubau, sondern auch an die lange und wechselvolle Geschichte dieses Bibliotheksstandorts. 

Veröffentlicht

Online-Redaktion

Bastian Wiesemann