Die
Universitätsbibliothek
Potsdam ist die größte wissenschaftliche
Bibliothek des Landes
Brandenburg. Sie versorgt
als zentrale Infrastruktureinrichtung Forschende, Lehrende und Studierende der
Universität Potsdam mit Literatur und weiteren Informationsressourcen.
Interessierten anderer Potsdamer und Berliner Hochschulen und
außeruniversitärer Einrichtungen sowie Bürgern der Region steht sie
ebenfalls offen.
Struktur und Organisation
Als sog. "einschichtiges" Bibliothekssystem mit einheitlicher Leitung und
zentraler Mittelzuweisung organisiert, sind die drei
Bereichsbibliotheken der UB Potsdam der Streulage der Universität
entsprechend dezentral angesiedelt. Die geisteswissenschaftlichen
Bestände befinden sich vorwiegend im Weltkulturerbe Park Sanssouci am
Neuen Palais, die Bestände der Rechts-, Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften auf dem Campus Babelsberg-Griebnitzsee, die human-
und naturwissenschaftliche Literatur im Wissenschaftspark
Golm.
Der Universitätsbibliothek angegliedert sind das Universitätsarchiv und
der Universitätsverlag.
Geschichte
Bereichsbibliothek Babelsberg Haus 5
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Die Universitätsbibliothek
Potsdam wurde im Jahr 1991 gegründet als Bibliothek der ein Jahr nach
der Wiedervereinigung Deutschlands neu gegründeten Universität Potsdam.
Sie integriert Bestände von Vorgängereinrichtungen wie der
Pädagogischen Hochschule Karl Liebknecht am Neuen Palais und der
Babelsberger Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR. Seit
Jahren in ständig wechselnden Gebäuden angesiedelt, konnte die
Bibliothek erst seit kurzem funktional ausgestattete Räume beziehen:
2000 in Babelsberg eine attraktiv umgebaute ehemalige Lagerhalle des
Deutschen Roten Kreuzes, 2006 am Neuen Palais eine um ein gläsernes
Gebäude erweiterte und neu gestaltete Remise am südlichen
Wirtschaftsgebäude des Schlosses.
Seit 2011 ist der erste genuine Bibliotheksbau in der Geschichte der Universität, ein
Informations- und Kommunikationszentrum im Wissenschaftspark Golm,
fertiggestellt. Der moderne Zweckbau (6.800 qm HNF, 1 Mio Bände Stellkapazität) ist
mit Veranstaltungs-, Einzelarbeits- und Gruppenarbeitsräumen, großzügigen Lesezonen sowie
Rara- und Multimediabereich ausgestattet.
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IKMZ - Neubau Golm
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Bestand und Nutzung
Mit einem Bestand von ca. 1,3 Mio Bänden, rund 2.850 gedruckten und 8.000
elektronischen laufenden Zeitschriften sowie einer Vielzahl von
Datenbanken und E-Books gehört die Universitätsbibliothek Potsdam zu
den mittelgroßen UBs in Deutschland. Sie ist Mitglied des
Kooperativen Bibliotheksverbundes Berlin-Brandenburg (KOBV), der sie im Bereich des
elektronischen Publizierens unterstützt und Partner des
Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV), in dessen Verbunddatenbank GVK sie
katalogisiert (OPAC und an dessen Online-Fernleihe sie sich beteiligt.
Das Suchportal DigiBib des
Hochschulbibliothekszentrums Nordrhein-Westfalen (hbz) ermöglicht die Metasuche über einen großen
Teil ihrer gedruckten und digitalen Ressourcen.
In den Aufbaujahren der Hochschule konnte die UB auf der Grundlage der
im Rahmen des
Hochschulbauförderungsgesetzes (HBFG) bundes- und
landesseitigen Büchergrundbestandsförderung (1991-2002) einen
Kernbestand an Literatur für Forschung und Lehre aufbauen, der heute
konsequent vervollständigt wird. Der Bestand umfaßt Literatur aller
Wissenschaftsgebiete gemäß der Ausrichtung der Universität als
Hochschule mit vollem Fächerspektrum (außer Medizin) und
interdisziplinärem Anspruch. Besondere Schwerpunkte bilden dabei die im
Hochschulentwicklungsplan 2008 definierten Exzellenz- und
Profilbereiche (Kognitionswissenschaften, Empirische
Bildungswissenschaften, Kulturelle Begegnungsräume, Public Policy and
Management, Komplexe Systeme, Erdwissenschaften, Functional Ecology and
Evolution, Plant Genomics/Systems Biology, Functional Soft Matter)
sowie der Bereich der Jüdischen Studien.
Die Bestände der UB Potsdam sind etwa zur Hälfte im Freihandbereich
aufgestellt, nach der in Deutschland weit verbreiteten
Regensburger Verbundklassifikation (RVK). Ein
kostenloser interner Leihverkehr ermöglicht die Bestellung von
Literatur von einem Bibliotheksstandort zum anderen. Insgesamt werden
jährlich rund 670.000 Entleihungen von mehr als 22.000 aktiven Nutzern
getätigt.
Eine Effizienzsteigerung und verbesserte Servicequalität wurde erreicht durch die Einführung von RFID (Radio Frequency Identification). Seit 2011 sind die Freihandbestände aller Standorte mit
Transpondern ausgestattet, die den Nutzern die beschleunigte Verbuchung bei der Selbstausleihe sowie die vollautomatische Medienrückgabe ermöglichen.
Den Leserinnen und Lesern stehen zurzeit insgesamt 740 Arbeitsplätze im
Rahmen des Bibliothekssystems zur Verfügung, davon 160 mit PC und
Katalog- und/oder Internetzugang.
Sondersammlungen
Die Universitätsbibliothek Potsdam besitzt wertvolle Judaica- und Hebraica-Sammlungen, insbesondere:
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den Nachlaß (Findbuch)
von Israil Bercovici (1921-1988), einem Chefdramaturgen des Jüdischen
Staatstheaters Bukarest und bedeutenden Historiker des jiddischen
Theaters.
-
die Sammlung Prof. Yehuda Aschkenasy mit den Beständen der
ehemals Berliner Veitel Heine Ephraimschen Lehranstalt, Quellenwerken
zu allen wichtigen Gebieten der hebräisch-rabbinischen Literatur (u.a.
kostbaren Bibelausgaben) sowie 58 hebräischen Handschriften aus dem
Jemen (17.Jh./18.Jh.).
-
die mit äußerst seltenen Werken bestückte
Sammlung Dr. Israel Mehlmann, deren inhaltliche Schwerpunkte im Bereich
der Kabbala, des Chassidismus, der Liturgie sowie der jiddischen und
hebräischen Volkserzählung liegen.
-
das digitalisierte Musikarchiv
jiddischer Lieder und Klezmermusik
des Jiddisten, Chassan (Vorbeter) und Musikwissenschaftlers David Kohan ,
das zurzeit für eine Publikation auf dem universitären Multimediaserver
vorbereitet wird.
-
die Sammlung historischer Tonaufnahmen von jiddischen
Liedern, Klezmermusik und Purimspielen
der Ethnologen Moishe Beregowski und Sofia Magid aus Kiew und Sankt
Petersburg.
-
die Bibliothek und den Nachlass des Philosophen und Hermann Cohen-Forschers Dr. Dieter Adelmann mit den
inhaltlichen Schwerpunkten Philosophie, Judentum und Musik. Mehr dazu.
Weiterhin sind im Bestand der Bibliothek historische Werke aller
Wissenschaftsdisziplinen aus dem 17. und 18. Jahrhundert vertreten, die
mittelfristig und in Auswahl einer Digitalisierung zugeführt werden
sollen.
Seit 2009 integriert die UB Potsdam die Spezialbibliothek des
ehemaligen Forschungszentrums Europäische Aufklärung (F.E.A.). Sie
bietet in digitaler Form den Gesamttext der
"Neuen Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste"
an, einer der wichtigsten deutschsprachigen Zeitschriften der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts, die im Rahmen eines DFG-Projekts durch das
ehemalige F.E.A. erschlossen wurde.
Als Dauerleihgabe betreut die
Universitätsbibliothek die Bibliothek der
Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, zu deren Bestand eine bedeutende geologische
Kartensammlung gehört.
Die UB Potsdam ist darüber hinaus Depotbibliothek der
Vereinten Nationen.
Universitätsarchiv
Das Universitätsarchiv ist 1991 hervorgegangen aus dem Archiv der
Brandenburgischen Landeshochschule, dessen unmittelbare
Vorgängereinrichtung das Archiv der Pädagogischen Hochschule "Karl
Liebknecht" in Potsdam war. Dieses Hochschularchiv wurde im Jahre 1966
eingerichtet und war sowohl Verwaltungs- als auch Endarchiv. Die heute
im Universitätsarchiv vorliegenden Archivalien umfaßen ca. 1.800
laufende Meter und reichen zurück bis in das Jahr 1948, dem
Gründungsjahr der ersten Brandenburgischen Landeshochschule. Das Archiv
verwahrt u.a. die Akten folgender ehemaliger Einrichtungen:
- Brandenburgische Landeshochschule, Potsdam
- Pädagogische Hochschule "Karl Liebknecht", Potsdam
- Institut für Lehrerbildung "Rosa Luxemburg", Potsdam
- Institut für Lehrerbildung "Clara Zetkin", Cottbus
- Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft, Potsdam-Babelsberg
Das Universitätsarchiv ist ein öffentliches Archiv. Es hat die
Aufgabe, die an der Universität entstehenden Unterlagen von bleibendem
Wert zu übernehmen, zu erschliessen, zu erhalten und ggfs. zu
veröffentlichen.
Universitätsverlag
Die Publikationstelle der Universitätsbibliothek Potsdam, 1998
gegründet, ist ein integrierter Servicebereich für Print- und
E-Publishing, der die Zuständigkeiten für Universitätsverlag,
Dokumentenserver, Universitätsbibliographie und Tauschstelle bündelt.
Der Universitätsverlag steht mit seinem gedruckten und elektronischen
Angebot für die uneingeschränkte und nachhaltige Zugänglichkeit von
Forschungsergebnissen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der
Universität Potsdam gemäß den Grundsätzen von
Open Access, die der Senat
der Universität in seiner Resolution vom 17.05.2006 bestätigt hat. Mit
der Veröffentlichung und Verbreitung von qualitätsgeprüften Inhalten
hat er sich als Plattform für wissenschaftliches Publizieren etabliert,
die die Sichtbarkeit der hochschuleigenen Forschung erhöht. Neben
Veröffentlichungen in Textform treten nun auch verstärkt multimediale
Publikationen wie Aufzeichnungen von Antrittsvorlesungen, digitale
Musikarchive u.a. in den Vordergrund, die auf dem von der UB
betriebenen universitären
Multimediaserver angeboten werden.
Der Universitätsverlag ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der
Universitätsverlage. Im Jahr 2008 hatte er über 400 lieferbare Titel im
Programm, bestellbar über den eigenen
Webshop
und den Buchhandel. 80% seiner Produktion liegen parallel online im
Volltext auf dem Publikationsserver für Textdokumente, der 2008
insgesamt ca. 2.500 frei zugängliche Publikationen von
Universitätsangehörigen archiviert. Die Universitätsbibliographie weist
über 16.000 Veröffentlichungen von Potsdamer Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern nach und wächst jährlich um ca. 1.200 neue
Publikationen an.
Siehe auch
Liste deutscher Bibliotheken
Quellen
Deutsche Bibliothekstatistik
http://www.hbz-nrw.de/angebote/dbs/
Handbuch der historischen Buchbestände
http://de.wikipedia.org/wiki/Handbuch_der_historischen_Buchbest%C3%A4nde
Literatur
Manfred Görtemaker (Hrsg.), Die Universität Potsdam : Geschichte - Bauten - Umgebung, Berlin 2001. ISBN 3-8305-0230-3.
Nathanael
Riemer, Die Judaica- und Hebraica-Bestände der Universitätsbibliothek
Potsdam, In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, Heft
¾, 2006, S. 165-168.
Links
Webpräsenz der Universitätsbibliothek
http://info.ub.uni-potsdam.de/index.php
Publikationsserver
http://info.ub.uni-potsdam.de/publikationsserver.php
Universitätsverlag/Webshop
http://info.ub.uni-potsdam.de/publika/tsuche.htm
Universitätsarchiv
http://info.ub.uni-potsdam.de/archiv.php