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Vom Copyshop zum Verlagshaus – Der Potsdamer Universitätsverlag wird 20

Foto: Thomas Hölzel.

Foto: Thomas Hölzel.

Gedruckt und gebunden oder digital und Open Access – der Universitätsverlag Potsdam ist die richtige Wahl, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule ihre Forschungsergebnisse publizieren wollen. Fast 600 Titel sind inzwischen im Verlagsprogramm bestellbar, auf dem Open Access Server warten knapp 8500 Publikationen auf Leser und die Universitätsbibliografie zählt über 38000 Veröffentlichungen von Potsdamer Forscherinnen und Forschern. Zeit für eine Bilanz – mit Dagmar Schobert, die den Univerlag von 2008 bis 2013 leitete und Dr. Andreas Kennecke, der den Staffelstab 2013 übernahm.

Frau Schobert, können Sie sich noch erinnern, wie alles anfing?

Ich bin 1992 an die Universitätsbibliothek (UB) gekommen. Karin Baumann  führte zu dieser Zeit die Tauschstelle. Um im Schriftentausch nicht nur zu nehmen, brauchten wir Gegengaben. Dazu war ein Überblick über die in der Universität erscheinenden Schriftenreihen nötig – und die Bereitschaft der Institute, uns reichlich Exemplare zur Verfügung zu stellen. Meist wurde die Produktion der Schriften über die Sekretariate der Lehrstühle organisiert. Entsprechend inhomogen und wenig professionell sahen die Publikationen aus. Eine Unmenge grauer Literatur war das Ergebnis. Es zeigte sich, dass die Institute bei der Herausgabe ihrer Publikationen Unterstützung benötigten. Für eine „Professionalisierung“ bot sich die Universitätsbibliothek an – wegen ihrer Nähe zum Publizieren und der Kenntnis der wichtigsten Kriterien für ein in guter Qualität erscheinendes Buch. Das war der Anfang – 1998. Karin Baumann hat dann den Universitätsverlag der TU Berlin besucht und die dortige Arbeitsweise nach Potsdam übertragen. Anschließend hat sie von den Lehrstühlen erste Schriftenreihen übernommen. Es gab ein erstes ISBN-Kontingent, die Meldung an das Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) und die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) wurde Standard. 
Die Tauschstelle ging in eine Publikationsstelle über.

Wie sahen die ersten Bücher aus?

Die Bücher wurden zunächst in der Hausdruckerei der Universität hergestellt. Man wendete dabei die Klammerheftung oder auch die  sogenannte „Fälzelbindung“ an: Der Buchblock wurde geklammert und der Buchrücken mit einem Leinenstreifen versehen. Später erfolgte die Herstellung meist „geteilt“. Das heißt, der Buchblock entstand als finales Produkt in der Hausdruckerei, der Umschlag und die Bindung in einer externen Druckerei. Mehr und mehr wurden die Publikationen dann auch gänzlich in externen Druckereien gefertigt. Ab 2010 haben wir erste Publikationsprojekte professionell setzen lassen.

Und wann erhielt das Kind seinen Namen?

Im Impressum der Bücher stand zunächst „Universitätsbibliothek Potsdam, Publikationsstelle“, später „Universitätsbibliothek Potsdam, Abteilung Publikationen“. Ab 2004 nannten wir uns „Universitätsverlag Potsdam“. Und Karin Baumann leitete ihn bis 2008. 

Das elektronische Publizieren – Open Access – ist heute das Herzstück des Verlages. Wie fing das an?

Karin Baumann war vor allem für die Printpublikationen zuständig, mein Schwerpunkt war schon ab 1999 das Online-Publizieren und ab 2002/03 auch offiziell Open Access. Am 21. August 1999 ist die erste Dissertation online veröffentlicht worden. Der „Dokumentenserver der Universität Potsdam“ war damals ein Filesystem, bestehend aus ineinander verschachtelten Ordnern. Er funktionierte und sah gar nicht so schlecht aus – und ich konnte ihn ohne die rare Unterstützung der IT betreiben. Kurze Zeit später wechselten wir zur Repositoriensoftware OPUS und hatten damit erstmals eine Datenbank. 

Und wie fanden Buch und Open Access zusammen?

Als Karin Baumann 2008 in Rente ging, habe ich die Abteilung übernommen. Wir stellten damals das Finanzierungskonzept des Verlages um – der Autor finanziert die Startauflage, die Einnahmen ermöglichen die Nachdrucke. Open Access entwickelte sich Schritt für Schritt zum Standard. 

Herr Kennecke, Sie haben das Ruder 2013 übernommen. Was hat sich seitdem getan?

Als ich in den Verlag stieß, war von den Kolleginnen und Kollegen alles schon in die richtigen Bahnen gebracht worden. Es gab ein Verlagsmodell, Satz und Druck wurden professionalisiert und vor allem hatten wir einen Publikationsserver. 2013 waren wir mitten in der Migration des Servers auf eine neue Version. Er enthielt nun auch unsere Universitätsbibliographie und hört seit dem Relaunch auf den Namen publish.UP. 2015 landeten wir mit publish.UP bei einem Ranking von 180 Repositorien aus den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz, also jenen, in denen Standarddeutsch die Dachsprache ist, auf dem 10. Platz. In der Region Berlin Brandenburg waren wir sogar die Nummer eins! Wir konnten unter anderem mit unserem Service punkten. Unser Repositorium entwickeln wir übrigens ständig weiter, in enger Zusammenarbeit mit den Entwicklern vom Zuse-Institut. 
Die Verlagspublikationen wurden mit den Jahren immer professioneller. Mit einem guten Corporate Design und ausgezeichneten Setzern und Druckern brauchen wir uns in der Branche und beim alljährlichen Besuch auf der Frankfurter Buchmesse nicht verstecken.
In diesem Jahr haben wir die Einführung einer Verlagssoftware abgeschlossen, die unsere Arbeit sehr erleichtert. Daten müssen nun nicht mehr an verschiedenen Stellen wiederholt eingegeben und ständig nachgepflegt werden. Schnittstellen erlauben den Export etwa in das Verzeichnis Lieferbarer Bücher des Deutschen Buchhandels. Aber auch über Amazon vertreiben wir die Publikationen.

Was haben Sie sich bis zum 25-jährigen Jubiläum vorgenommen?

Da gibt es die Pflicht und die Kür. Der gesamte Bereich Open Access ist in ständiger Bewegung. Was in fünf Jahren sein wird, kann keiner voraussagen. Klar ist aber, dass wir gewaltige Veränderungen erwarten. Unsere technischen Systeme müssen auf dem neuesten Stand gehalten werden, sonst sind wir sehr schnell von internationalen Entwicklungen abgeschnitten. Seit geraumer Zeit erfassen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch die ORCID, eine ID für Forschende, die es ermöglicht, Publikationen exakt einer Person zuzuordnen. Ein leistungsfähiges Personenmanagement im Repositorium wird es uns erlauben, Daten auszutauschen, anzureichern und zu publizieren. Beispielweise könnten die Publikationslisten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni dann automatisch generiert werden, ob für die Homepage oder auch die fakultätsinterne Mittelverteilung. Eine der größten Herausforderungen ist und bleibt das Qualitätsmanagement. Nur so können wir Autoren und Herausgeber davon überzeugen, dass ihre Publikationen bei uns in guten Händen sind. Viele haben wir schon überzeugt.

Einen kleinen Einblick in die Verlagsgeschichte gibt es unter: http://www.ub.uni-potsdam.de/de/publizieren/universitaetsverlag.html

Kontakt: 
Universität Potsdam
Dr. Andreas Kennecke, Universitätsverlag der Universität Potsdam
E-Mail: kennecke@uni-potsdam.nomorespam.de

Text: Matthias Zimmermann
Online gestellt: Alina Grünky
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de