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Von den Nationalsozialisten geraubtes, 500 Jahre altes Buch zurückgegeben – Provenienzforschung der Universitätsbibliothek Potsdam trägt Früchte

Drei Personen schauen zusammen in ein 500 Jahre altes Buch.

Foto: Anke Geißler-Grünberg (Universitätsbibliothek) mit Berl und David Schor. Foto: Bastian Wiesemann.

75 Jahre lang war es verschollen, nun ist es heimgekehrt: Ein 1943 von den Nationalsozialisten geraubtes Buch aus der Gelehrtenbibliothek der Familie Schor-Fraenkel wurde am 22. Januar 2018 von der Universitätsbibliothek Potsdam an deren Erben Berl und David Schor übergeben. Bei dem Werk handelt es sich um ein fast 500 Jahre altes, 1547 gedrucktes Buch von Moses Ben Jacob: Sefer Mitsvot ha-gadol. Möglich wurde die Rückgabe durch ein vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördertes Projekt zur Provenienzforschung an der Potsdamer Unibibliothek.

Das Buch war durch den Ankauf der Gelehrtenbibliothek von Yehuda Aschkenasy aus Amsterdam in den Bestand der Universitätsbibliothek gelangt. Im Rahmen des seit 2014 laufenden Provenienzforschungsprojektes an der Bibliothek konnten bislang zahlreiche Provenienzmerkmale identifiziert und einige Bücher erfolgreich restituiert werden. Im aktuellen Fall identifizierten die Wissenschaftler ein Autogramm von Nathan Fraenkel sowie Stempel von Jacob und Berl Fraenkel aus Tarnow. Die Ergebnisse wurden in der Provenienzforschungsdatenbank LCA veröffentlicht, wo die Erben in Israel sie schließlich entdeckten.
Nach den Angaben der Erben stammten die Familien Fraenkel und Schor aus Stryi (heute Ukraine) bzw. Krakau und Tarnow. Berl Fraenkels Tochter Mila lebte mit ihrem Mann Majer Schor in Krakau und erbte die Bibliothek ihres Vaters. Da die beiden die türkische Staatsbürgerschaft besaßen, waren sie vor dem Zugriff der Nazis geschützt und konnten anderen Verfolgten im Untergrund helfen. Doch 1942, als der türkische General-Konsul in Berlin die Verlängerung ihrer Pässe ablehnte, verloren sie ihren Schutz. Durch den Hinweis eines befreundeten Polizisten gewarnt, konnte die Familie untertauchen – und zuvor ihre Bibliothek in Sicherheit bringen. Dabei half ihnen der Orientalistik-Professors Tadeusz Kowalski, der die Bücher in der Bibliothek der Jagiellonen-Universität versteckte.
Nach sieben Monaten im Untergrund wurden Mila und Majer Schor entdeckt, verhaftet und am 8. Juli 1943 im KZ Plaszow bei Krakau ermordet. Die Bibliothek überstand den Krieg im Keller der Universitätsbibliothek. Auch Sohn Berl Schor überlebte und emigrierte über Neuseeland nach Israel. Hierhin ließ er die Familien-Bibliothek, die inzwischen nicht mehr vollständig erhalten war, überführen. Ein verloren geglaubter Teil der Bibliothek ist nun zurückgekehrt.

Kontakt: Dr. Andreas Kennecke, Universitätsbibliothek, Telefon: 0331 977 2533, E-Mail: kennecke@uni-potsdam.nomorespam.de
Foto: Anke Geißler-Grünberg (Universitätsbibliothek) mit Berl und David Schor. Foto: Bastian Wiesemann.

Medieninformation 02-02-2018 / Nr. 019
Matthias Zimmermann

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Online gestellt: Katharina Zimmer
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