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Sammlung Aschkenasy


Yehuda Aschkenasy (1924–2011) wurde bei Breslau geboren, floh aus Deutschland, kam in die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald, wo er 1945 befreit wurde. 1950 wanderte er nach Israel aus und kehrte 1959 in die Niederlande zurück. 1968 wurde er zum Rabbiner ordiniert und lehrte bis 1989 Judaistik an der Katholisch-Theologischen Universität Amsterdam. In Amsterdam baute er eine einzigartige Judaica-Sammlung auf.

Die Sammlung Aschkenasy umfasst ca. 5.600 Titel. Den historisch wertvollsten Teil stellen die Bestände der ehemals Berliner Veitel Heine Ephraimschen Lehranstalt (17./18.Jh.) dar. Neben diesen Titeln gehören der Sammlung weitere 1.550 antiquarische Titel aus der Zeit vor 1920, 3.800 Bände aus der Zeit nach 1920 und 58 hebräische Handschriften aus dem Jemen an.

Inhaltlich umfasst die Bibliothek Quellen zu allen wichtigen Gebieten der hebräisch-rabbinischen Literatur und die dazugehörige Forschungsliteratur aus der neueren Zeit. Neben hebräischen Bibeln findet man vor allem unterschiedliche Ausgaben der Mikra’ot Gedolot, der sogenannten Rabbinerbibel. Hinzu kommen einzelne Kommentare aus verschiedenen Jahrhunderten und Regionen. Dann folgt die rabbinische Literatur im engeren Sinne: Ausgaben der Mischna, des Talmud und Midraschim sowie zugehörige Kommentarwerke. Des Weiteren enthält die Sammlung mittelalterliche Rechtskodizes, liturgische Werke wie tägliche und Jahresfest-Gebetbücher sowie Sammlungen von Bußgebeten (Selichot) mit Kommentaren. Die philosophische Literatur des Mittelalters, der Kabbala in ihren verschiedenen Strömungen, sind zahlreich vorhanden.

Die Literatur nach 1920 umfasst ebenso moderne kritische Ausgaben und Sekundärliteratur zur jüdischen Theologie, Philosophie, Mystik und Recht.

Wertvoll ist auch der Bestand an hebräischen  Handschriften. Es handelt sich um Kommentarwerke zu Bibel und Traditionsliteratur, Gebete, Rechtstexte (Halacha), Midraschim, Sammlungen von Aggadot – Erzählungen und Predigten, Gedichte, religiöse Poesien (Pijjutim) und Bußgebete (Selichot).

Besonders bemerkenswert und wertvoll sind die Bände aus der Veitel Heine Ephraimschen Lehranstalt. Deren Bibliothek umfasste einst ca. 350 oft mehrbändige Titel von hohem Wert, unter anderem zahlreiche Erstausgaben wichtiger Werke der jüdischen Literatur.

Die Veitel Heine Ephraimsche Lehranstalt hatte bis in die Hitlerzeit bestanden, ihre Bibliothek war dann verschollen. In den 1970er und 1980er Jahren sind zahlreiche Bände dieser Bibliothek in den Amsterdamer Antiquariaten aufgetaucht – verkauft durch die Behörden der DDR. Yehuda Aschkenasy konnte 83 Titel dieser Bibliothek erwerben. Dieser Rest der ehemals Veitel Heine Ephraimschen Lehranstaltsbibliothek bildet das historische Herzstück der erworbenen Bibliothek. Es ist ein bibliographischer Schatz mit vielen sehr gut erhaltenen Erstausgaben und zugleich eine wichtige historische Quelle für das Berliner Judentum des 18.-19. Jahrhunderts und somit die Rekonstruktion des geistigen Profils einer "orthodoxen" Hochschule.

Mit dem Erwerb dieser hervorragenden Sammlung wurde ein wichtiges Stück deutschen Kulturgutes buchstäblich nach Hause zurückgeführt.

Literatur:

Vera Bendt, Willem Burgers. Ein Amsterdamer Antiquar im Geiste von Spinoza, in: IMPRIMATUR - Jahrbuch für Bücherfreunde, Neue Folge, Band XXIV, 2015, S. 11-54.
Harry B. van der Linden, Centrum Judaicum (Hrsg): Veitel Heine Ephraim. Hofjude Friedrichs II. Hentrich & Hentrich, Berlin 2013.
Karl E. Grözinger (Hrsg.): Die Stiftungen der preußisch-jüdischen Hofjuweliersfamilie Ephraim und ihre Spuren in der Gegenwart. Harrassowitz, Wiesbaden 2009.
Nathanael Riemer, Die Judaica- und Hebraica-Bestände der Universitätsbibliothek Potsdam, in: Postprints der Universität Potsdam. Philosophische Reihe; 22 (2009).